Kritik am Bautypus MUF

Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) sind eine „Berliner Erfindung“. Nirgendwo in Deutschland sonst werden sie errichtet. MUFs werden von Flüchtlingshelfern ebenso kritisiert wie von Architekten und Stadtplanern. Anders als die in die Nachbarschaft eingebundene Wohnung kann ein MUF keine Grundlage für ein eigenständiges Leben bieten, abgeschottet von der Nachbarschaft durch Wachschutz und Betreuungspersonal.
Die BAUWELT -Zeitschrift für Architektur- veröffentlichte bereits 2016 eine bittere Kritik der Modularen Unterkünfte für Flüchtlinge : „In Berlin hat man sich für den Modul- und Containerbau in ganzer Härte entschieden: Wohnheim statt Wohnungen, könnte die Devise lauten, möglichst viele Geflüchtete an einem Ort, möglichst weit weg vom Zentrum – all das, wovon Asylrechtsorganisationen und die Architektenkammer abraten. Oder wie ist es zu verstehen, dass Standorte mit 450 „Wohnplätzen“ in Planung sind? Dass man in Randlagen umzäunte Wohnheime baut, die integrationsfeindlichste aller Bautypologien?“ http://www.bauwelt.de/themen/bauten/Modulare-Unterkuenfte-Fluechtlinge-Containerdoerfer-Berlin-Wohnraum-AIM-archutektur-management-2624356.html
Noch bemerkenswerter ist die Kritik von Flüchtlingshelfern. „Die Unterbringung in den MUFs kann kein Endzustand sein“, findet Günther Schulze vom Willkommensbündnis. Zur Integration gehöre auch die Integration auf dem Wohnungsmarkt. https://www.morgenpost.de/berlin/article213614355/Die-Fluechtlinge-bleiben-langfristig-in-Nikolassee.html
Ähnlich plädiert der Städtetag-Präsident Markus Lewe (OB Münster) gegen die geballte Unterbringung von Geflüchteten in Wohngebieten. https://www.focus.de/politik/deutschland/debatte-um-fluechtlingsintegration-staedtetags-praesident-erinnert-in-fluechtlingsdebatte-daran-worin-das-wahre-problem-liegt_id_8594630.html
In Hamburg wird bereits das Problem der übermäßigen Belastung des Umfelds durch zu große Quartiere angegangen. Das Hamburger Modell wäre auch eins für Berlin.https://www.gute-integration.de/2018/03/28/politische-selbstverpflichtung-in-einen-verbindlichen-beschluss-des-bezirks-umgesetzt/
Die Flüchtlingsbeauftragte der Evangelischen Kirchengemeinde Nikolassee hat in einem Beitrag im Gemeindebrief Nr.5/2018 sehr konkret geschrieben: „Eine derart große Einrichtung für geflüchtete Menschen hinter der S-Bahn, neben der AVUS, zwischen zwei Bahnhöfen und in einem Wasserschutzgebiet anzusiedeln, wo die Menschen zudem dem Lärm ausgesetzt sind, isoliert leben und kaum Chancen auf Kontakt zu den Nachbarn und kaum Chancen zur Integration haben, macht den Anschein der Stigmatisierung geflüchteter Menschen und der Schaffung eines Ghettos.“
Daneben erweist sich der Bau und Betrieb von MUFs nicht einmal als kostengünstig. Gunnar Schupelius berichtet über Kostenmieten von 22 € / Quadratmeter. Unglaublich! https://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/senat-baut-fluechtlingsheime-fuer-22%E2%80%AFeuro-warmmiete-pro-quadratmeter
Wir fragen: Warum werden keine Wohnungen gebaut? Warum sollen ausschließlich Flüchtlinge einziehen?